Vom Kloster Sankt Agnesen zum Städtischen Altersheim


Ein Überblick über die vielfältige Nutzung der Liegenschaft


Dr. Peter Scheck, Stadtarchivar

Das Benediktinerinnenkloster
Das Spital zum Heiligen Geist
Das Armenhaus.
Das Pfrundhaus.
Das Waisenhaus.
Das Zuchthaus.
Das städtische Altersheim.

Das Benediktinerinnenkloster

Nicht lange nach der Erbauung des Klosters Allerheiligen stiftete Burkhard von Nellenburg für seine Mutter Ita im Jahre 1080 das Nonnenkloster Sankt Agnes. Aus der frühen Zeit dieses Klosters ist wenig bekannt. Wir wissen lediglich, dass es bereits 1092 dem Abt von Allereheiligen unterstellt wurde und dass im 14. Jahrhundert zwei Brände das ursprüngliche Kloster weitgehend zerstört hatten. Ende des 14. Jahrhunderts war das im gotischen Stil neu erbaute Kloster vollendet. Das Areal war im Osten von der Bachstrasse und im Norden von der Repfergasse begrenzt. Im Süden reichte es bis an die heutige Pfarrhofgasse und umschloss die Gebäude des ehemaligen Feuerwehrmagazins. Die Häuser westlich der Pfrundhausgasse, z. B. die sogenannte Ochsenscheune gehörten ebenfalls zum Klosterareal. Die Klosterfrauen, denen eine Meisterin vorstand, waren mehrheitlich Töchter von Schaffhauser Bürgern oder adlige Frauen aus dem nahen Hegau. Die Zahl der Schwestern war offenbar zeitweise so gross, dass sie zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf 60 beschränkt werden musste. Verschiedene Stiftungen und Eintrittsgebühren verschafften dem Kloster eine solide wirtschaftliche Grundlage in Form von Grundbesitz und den damit verbundenen Abgaben. Über den Alltag im Kloster erfahren wir wenig. So hören wir aus der Zeit des Spätmittelalters, dass sich diverse Bürger, darunter auch der Stadtschreiber zum Teil Nachts im Frauenkloster aufgehalten hatten und deshalb vom Rat gebüsst wurden. Da uns in der Regel die historische Überlieferung nur das Ungewöhnliche berichtet, wäre es falsch, den Schwestern generell einen lockeren Lebenswandel zu unterstellen. Vielmehr darf erwähnt werden, dass mehrere Klosterfrauen durch Stiftungen mithalfen die Not der Armen und Kranken zu lindern.

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Kloster Sankt Agnesen von Osten. Sepia-Zeichnung von Hans Wilhelm Harder

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Das Spital zum Heiligen Geist

Als Fürsorgeeinrichtung kannte fast jede mittelalterliche Stadt das sogenannte Spital, in dem die Armen, Kranken, Altersschwachen, Waisen und Geisteskranken Aufnahme fanden. Als Schutzpatron der Armen und Kranken erhob man den Heiligen Geist. Durch fromme Stiftungen und freiwillige Beiträge der Bürger konnte sichergestellt werden, dass die Bedürftigen ihre bescheidene Nahrung und Unterkunft erhielten. Nach der Reformation und der anschliessenden Aufhebung des Klosters Sankt Agnes beschloss der Rat, das Spital im heutigen Posthof in die Gebäude des Nonnenklosters zu verlegen. Nach wenigen baulichen Anpassungen wurde die Übersiedlung des Spitals im Jahre 1542 vollzogen.  Die umfunktionierten Gebäulichkeiten dienten nun in der Folge als Armenhaus, Pfrundhaus, Waisenhaus, Zuchthaus und als Versorgungsanstalt für Geisteskranke.

Das Armenhaus

Nach Aussage des Chronisten Rüeger wurden lediglich diejenigen Armen ins Spital aufgenommen, die sich durch Betteln nicht ernähren konnten, wie zum Beispiel Findelkinder, schwangere Frauen, Altersschwache und Gebrechliche. Aufnahmen mussten vor versammeltem Rat beschlossen werden. Wer wieder arbeitsfähig wurde, musste das Spital verlassen.

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Das Pfrundhaus

In den meisten Städten bestand vorwiegend für Bürger die Möglichkeit durch Entrichtung einer Einstandssumme Unterkunft und Pflege für das Alter zu sichern. Dem Eintritt ins Pfrundhaus ging ein besiegelter Vertrag voraus. Die Aufgenommenen hatten ihr Mobiliar selber mitzubringen, das nach ihrem Tod in den Besitz des Spitals überging. Die Abteilung der Pfründer bezeichnete man gewöhnlich als Oberstube, im Gegensatz zur unteren Stube des Armenhauses. Somit wurden diejenigen, die sich ordentlich eingekauft hatten, als Oberpfründer, die Armen hingegen als Unterpfründer bezeichnet. Die Oberpfründer hielten sich tagsüber in der Stube auf oder strichen im Hause umher und beschäftigten sich mit kleineren Handarbeiten. Streitigkeiten und Verleumdungen aller Art beschäftigten des öfteren den Stadtrat.

Das ehemalige Pfrundhaus links und das Bürgerspital im Zustand von 1880

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Das Waisenhaus

Zieht man die hohe Sterblichkeit früherer Jahrhunderte in Betracht, lässt sich leicht ausrechnen, dass die Zahl der Waisenkinder früher um einiges grösser war als heute. War keine vermögende Verwandtschaft vorhanden, so kamen die unglücklichen Kinder in den meisten Fällen ins Waisenhaus, wo sie ihre Kindheit unter denkbar schlechten Voraussetzungen erlebten. Die Kindermutter und der Zuchtmeister, der auch für das Zuchthaus verantwortlich war, hatten die Erziehungsgewalt. Vorschriften für eine menschliche Erziehung der Kinder waren zwar vorhanden, doch wurde ihnen in den wenigsten Fällen nachgelebt. Dadurch, dass die Kinder in unmittelbarer Nähe zum Armenhaus und der Zuchtanstalt untergebracht waren, und dass sie mit den Insassen häufig in Kontakt kamen, bestand eine zusätzliche Gefahr für den späteren Lebensweg. Erst im Jahre 1822 konnte das neue Waisenhaus an der Rosengasse bezogen werden. Damit wurden die Kinder endgültig dem Einfluss des Zucht- und Armenhauses entzogen.

Das Zuchthaus

Der gleiche Zuchtmeister, der die Waisenkinder im Lesen und Schreiben unterrichtete, war auch verantwortlich für die städtische Strafanstalt. Er war einerseits für die Aufsicht und die Beschäftigung der Sträflinge, wie auch für deren körperliche Züchtigung  zuständig. Die Strafanstalt befand sich bis 1915 in den Liegenschaften des ehemaligen Klosters an der Bachstrasse.

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Das städtische Altersheim

1936 übernahm die Stadt das Spital und baute es als städtisches Altersheim um. Die ehemalige Kloster- und Spitalkirche, die 1822-24 bereits baulich stark verändert worden war, wurde zum Hauptgebäude des Altersheims. Der Betsaal im ehemaligen Pfrundhaus wurde in einen Speisesaal umgewandelt. Ein grosser Erweiterungsbau folgte 1960. In verschiedenen Etappen wurde das Heim immer wieder den Bedürfnissen angepasst und erweitert. In seiner heutigen Ausstattung dürfte es wieder für einige Jahre den Ansprüchen genügen.

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Das Altersheim vor dem Neubau im Jahre 1959

 


 

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