Schaffhausen im Zweiten WeltkriegDer öffentliche Verkehr am Tag der Bombardierung |
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Der 1. April 1944 zeigt sich als ein strahlend schöner Samstagvormittag. Die Männer sind an der Arbeit, viele Frauen beleben den Markt, und in den Schulhäusern folgen 1600 Kinder dem Unterricht. Auf Gleis 1 im Bahnhof Schaffhausen steht der Personenzug nach Zürich, geplante Abfahrt 10.54 Uhr. Ein Zug von Neuhausen SBB her wird um 10.58 Uhr erwartet. Von Beringen her nähert sich mit Verspätung ein Güterzug der Deutschen Reichsbahn. Von der Strassenbahn Schaffhausen-Schleitheim sind keine Züge in der Nähe unterwegs, jedoch trifft ein Tram von Neuhausen her um 10.54 Uhr auf dem Bahnhofplatz ein, während zwei Minuten früher ein Tram Richtung Obertor abgefahren war. Ein Autobus startet um 10.42 Uhr ins Breitequartier, ein zweiter um 10.45 Uhr Richtung Emmersberg. Fliegeralarm!
Um 10.38 Uhr ertönt Fliegeralarm. Von Osten her überfliegt ein rundes
Dutzend amerikanische Liberator-Bomber den Cholfirst und die Stadt. Wer Zeit
hat, flieht nicht etwa in den Luftschutzkeller, sondern hält auf der Strasse
neugierig Ausschau nach den Donnervögeln. Eine zweite Staffel von über zwanzig
Flugzeugen löst ihre Bombenlast, etwa fünfhundert Brand- und Sprengbomben, von
Schlatt her kommend, über dem Cholfirst ab. Die Detonationen und Erschütterungen
sind bis in die Stadt hör- und spürbar. Aber erst die dritte Staffel von 24
Flugzeugen lässt ihre tödliche Last um 10.55 Uhr auf die Stadt und die
Umgebung fallen. In rund 30 Sekunden treffen 371 Brand- und Sprengbomben
Fabriken, Wohnhäuser und Geleise und töten 49 Menschen.
Rasche Reaktion bei Bahn, Tram und BusKondukteur Eduard Brogli bemerkte kurz nach der Abfahrt in Neuhausen Bomben-Einschläge am Zielort. Er zog die Notbremse und brachte den Zug so rechtzeitig zum Stehen. Fünfhundert Meter voraus hatte eine Bombe das Bahngeleise zerstört. Der Lokomotivführer des Reichsbahn-Güterzuges sah bei der Ausfahrt aus dem Charlottenfels-Tunnel die Katastrophe, bremste und fuhr in den Tunnel zurück. Das erste Tram von Neuhausen her traf fahrplanmässig und unbeschädigt beim Bahnhof ein, während das vom Bahnhofplatz abfahrende Tram bei der Haltestelle Obertor noch Passagiere aufnahm, die jedoch bei den Bombeneinschlägen ausstiegen und sich in Deckung begaben. Nur zwei Fensterscheiben des Trams gingen in Trümmer. Wegen der Fahrleitungsunterbrüche blieben die Züge und Trams stehen. Die beiden Autobus-Chauffeure hielten ihre Fahrzeuge ausserhalb des Bombardements an und liessen die Passagiere aussteigen.
Sensationelle SchadenbehebungWährend Militär, Feuerwehr und Luftschutz in den Trümmern nach den Toten und Verletzten suchten und die einsturzbedrohten Gebäudeteile absicherten, gelang es den überlebenden Beamten ausserordentlich rasch, die entstandenen Schäden zu beheben. Telefon- und Telegrafenverbindungen mussten wieder aufgebaut, die heruntergerissenen Fahrleitungen repariert und die in der Luft hängenden Geleise samt dem Unterbau neu installiert werden. Bereits um 16.30 Uhr wurden wieder Bahnbilletts verkauft und um 17 Uhr – nur acht Stunden nach den Zerstörungen – die Strecke nach Neuhausen wieder in Betrieb genommen. Bereits am Sonntag wickelte sich die Arbeit im Bahnhofgebäude wieder einigermassen normal ab, die Züge verkehrten fahrplanmässig. Unter Aufbietung aller vorhandenen Kräfte (viele Männer waren ja im Militärdienst) wurden die Schäden in einer sensationell kurz anmutenden Zeit behoben und es konnte zu den „normalen“ Abläufen übergegangen werden. Aber 275 Zugskompositionen waren in den folgenden 18 Tagen unter der Obertorbrücke durchgefahren, bis dort ein Blindgänger entdeckt und entschärft wurde! Rudolf Bührer, Uhwiesen, nach einem Vortrag von Hans Bölsterli, Stadtarchiv Schaffhausen© Stadtarchiv Schaffhausen |