Transkription der Schaffhauser Stadtrechnungen

Das Stadtarchiv Schaffhausen hatte schon lange den Wunsch, die mittelalterlichen Stadtrechnungen grösseren Kreisen der Forschung zugänglich zu machen. Dank der ehrenamtlichen Tätigkeit von Frau Olga Waldvogel, die sich bereit erklärt hat, diese wertvolle Quelle zu transkribieren, ist es möglich, die Resultate online zu präsentieren. Bisher konnten die Rechnungen von 1396 bis 1415 auf diese Art erfasst werden. Die Transkriptionen werden laufend weiter geführt. Da die Texte in einer Datenbank geführt werden, um die Suche zu erleichtern, konnten diakritische Zeichen nicht verwendet werden. Zur Erleichterung wird pro Seite aber das jeweilige Original als Bild zur Verfügung stehen. 

Zu den einzelnen Rechnungen

Die Bedeutung der Stadtrechnungen 

Nur wenigen Städten sind ihre Rechnungsbücher bis ins Mittelalter zurück in dieser Dichte erhalten geblieben. Die Rechnungen sind deshalb wichtig, weil jeder Anlass Geld kostete. Jede Rüstung, jede Fehde, jeder Bau und jede Gebietserweiterung musste bezahlt werden. Die städtischen Beamten kosteten Geld - vom Bürgermeister bis zum Scharfrichter. So erfahren wir - manchmal minutiös aufgelistet – Dinge, die wir sonst nie erfahren hätten. Erst vor kurzem konnte der erste bekannte Hexenprozess in Schaffhausen im Jahr 1402 aufgrund der Stadtrechnungen nachgewiesen werden. Die Hexe oder die Hexen stammte(n) aus Beringen und wurde nach Schaffhausen gebracht, wo sie verhört und hingerichtet wurde(n). Minutiös werden die einzelnen Beträge für den Henker aufgelistet. Die Kosten für das „dürre Holz für den Hexenbrand“ beliefen sich auf fünf Schillinge. Unzählige andere Beispiele könnten angefügt werden, die plötzlich Licht ins Dunkel des mittelalterlichen Schaffhausens werfen. Die zahlreichen Botengänge der Stadtläufer geben zum Beispiel wichtige Hinweise auf die diplomatischen Beziehungen der Stadt. Die noch erhaltenen Steuerbücher geben uns nicht nur zuverlässig Auskunft über die Anzahl der Steuerpflichtigen und ihr Vermögen, sondern sie lehren uns auch die Namen der Geschlechter, bevor es Bürgerverzeichnisse gab. Ausserdem erfahren wir den finanziellen Aufstieg und Niedergang von Familien und haben Kenntnisse über wohlhabende und arme Stadtquartiere.

Der seltsame Weg der mittelalterlichen Stadtrechnungen 

Durch eine „Bereinigung“ des Staatsarchivs infolge Platzmangel im Jahr 1854 wurden Hunderte von wertvollen Schriften aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit ausgeschieden. Sie alle sollten, um neuen Platz zu schaffen, der Papiermühle überliefert werden. 

Als das Vorhaben der Vernichtung dieser Akten publik wurde, trat der Lokalhistoriker Hans Wilhelm Harder mit der Finanzkommission des Kantons in Unterhandlung und erwarb schliesslich diese Archivalien. Sein geübtes Auge hatte sofort festgestellt, dass das missachtete Material von hohem Wert war. Sofort machte er sich an die genaue Untersuchung und Sichtung dieser zusammengehäuften Papier- und Pergamentmassen. Die Bände der mittelalterlichen Stadtrechnungen, die zum grössten Teil in einem elenden Zustand waren, wurden geordnet, ausgebessert, neu gebunden und überschrieben. Da Harder Strafanstaltdirektor war, wurden die Sträflinge für diese Arbeit beigezogen. Dass einige Bände falsch beschriftet wurden und zum grossen Teil die Pergamentumschläge weggeworfen wurden, ist zwar bedauerlich, tut aber der Leistung des Lokalhistorikers keinen Abbruch. Harder hat auf jeden Fall äusserst wertvolles Material gerettet, ohne das wir unsere mittelalterliche Stadtgeschichte nicht so gut kennen würden. 

Die Stadt erwirbt die Sammlung 

Zuerst hatte Harder dieses Material in einer leerstehenden Zelle der Strafanstalt untergebracht. Da diese Zelle jedoch anderweitig gebraucht wurde, entschloss er sich im Februar 1862, das Material entweder dem Historischen Verein oder der Stadt käuflich abzutreten. Da dem Historischen Verein grundsätzlich das Geld fehlte, der Preis von 600 Franken jedoch sehr mässig war, empfahl der Stadtrat dem Parlament den Ankauf, was dieser auch ohne Umstände bewilligte. Die Dokumente wurden anfänglich im St. Johann untergebracht. Es handelte sich um die Stadtrechnungen von 1396 bis 1692, die Steuerbücher von 1392 bis 1640, die Kopierbücher in Pergament von 1640 bis 1719 sowie um Duplikate der Ratsprotokolle von 1727 bis 1770. Heute befinden sich die Archivalien im klimatisierten Kulturgüterschutzraum des Stadtarchivs.