Das Obertor

Übersicht

Das Obertor hat eine reichhaltige Vergangenheit und ist von den Stadtbefestigungsanlagen das älteste noch erhaltene Bauwerk. Es bildete den westlichen Abschluss der Stadt Schaffhausen, wo sich der gesamte Verkehr von der Schifflände über die Vordergasse nach dem Rheinfall zum Weitertransport hindurchzwängen musste. Bereits im Jahre 1273 wird es "zem obern tor" genannt. Ursprünglich war der Turm ein sogenannter Wohnturm des Adelsgeschlechts der Familie Fridbolt und war zu dieser Zeit nur halb so hoch. Im Jahre 1461 verkaufte der ehemalige Bürgermeister Hans Fridbolt den Turm an die Stadt. Die neue Besitzerin führte diesen nun bis auf die heutige Höhe von 47m mit sieben Stockwerken. Die ursprüngliche Höhe ist noch gut ablesbar an den andersfarbigen roten Eckquadern. Seither wurde der Obertorturm auch als Hochwacht benutzt. Der Hochwächter hatte die Aufgabe, Feuer oder kriegerische Truppen sofort mit der Sturmglocke anzuzeigen. Dies blieb so bis zum Jahre 1922, als die Turmwächterfunktion und damit auch die Wächterwohnung aufgehoben wurde.

Die Anlage des Obertors umfasste vom 17. Jahrhundert an viel mehr: Neben dem eigentlichen Turm befand sich ein spitzbogiges Tor und an der Stelle des heutigen Verkehrskreisels stand ein rechteckiges Bollwerk auf einer Schanze zwischen zwei überbrückten Gräben. Dieses 1638/39 in der Zeit des Dreissigjährigen Kriegs erbaute Vorwerk wurde 1845 abgerissen, ebenso 1853 das Spitzbogentor. Die im 20. Jahrhundert lange Zeit ungenutzten Räumlichkeiten des Turms erhielten 1934 eine neue Funktion: Sie dienen seither als Transformatorenstation. Im Zuge der Renovationsarbeiten wurde schliesslich 1939 ein Durchgang für die Fussgänger ausgebrochen. Die einst stolze und wichtige Befestigungsanlage fristet heute in ihrer verstümmelten Form ein kaum beachtetes Dasein. Trotzdem ist sie ein wichtiger Zeuge der reichhaltigen Vergangenheit unserer Stadt geblieben.

Das Obertor um 1830, Zeichnung von Johann Jacob Beck