0230 Stadtarchiv Jahresbericht 2001


Neue Herausforderungen im Informationszeitalter

Im Zeitalter der Informationsgesellschaft bedarf es mehr denn je moderner und leistungsfähiger Archive. Diese sind gefordert, den technischen Wandel im Informationsbereich aktiv zu begleiten, damit auch künftig Unterlagen und Informationen gesichert, benutzbar und vermittelbar werden und somit Grundlagen für ein kollektives Gedächtnis gelegt sind. Notwendig ist deshalb ein intelligentes und effektives Akten- und Archivmanagement, um die Herausforderungen bewältigen zu können.
Die dem Stadtarchiv im Sinne der wirkungsorientierten Verwaltung und den neuen Herausforderungen im Informationszeitalter zugedachten Aufgaben waren Schwerpunkte, mit denen sich die Archivleitung im Berichtsjahr auseinandergesetzt hat. Die mit Stichworten wie "Verwaltungsreform", "Deregulierung" und "Privatisierung" geforderten Strukturveränderungen bei den öffentlichen Leistungen stellen das Archiv vor neue Aufgaben, denn als Dienstleistungseinrichtung für Verwaltung, Forschung und Öffentlichkeit wird zu Recht vom Stadtarchiv nicht nur marktgerechtes und kundenorientiertes Verhalten verlangt, sondern es wird vermehrt vom Archiv Unterstützung und Förderung der Verwaltungsmodernisierung, etwa bei der Rationalisierung des Registraturwesens im Sinne dieses eingangs erwähnten Aktenmanagements erwartet. Gefragt ist hier wiederum die Initiative des mit entsprechenden Kenntnissen ausgestatteten Stadtarchivs. Es ist aber auch erforderlich, dass das Archiv als "Sachwalter einer auf Wahrheit angelegten Überlieferung" selbstbewusst Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit gegenübertritt und die archivarische Kompetenz geltend macht. Die im Zuge der Reformen und durch die damit verbundenen möglichen Rationalisierungsmassnahmen entstehenden Konsequenzen ist für die zukünftige schriftliche Überlieferung der Verwaltungstätigkeit schwierig abzuschätzen, wird aber mit Sicherheit eine weitere Ausdünnung später einmal historisch relevanter Fakten zur Folge haben - eine Tendenz, die schon einige Jahrzehnte anhält und mit dem lapidaren Satz umschrieben werden kann: "In immer mehr Papier steht immer weniger drin". Das Archiv hat sich deshalb wieder vermehrt um die Akquisition von Akten und Bildmaterial, die nicht der Verwaltung entstammen, bemüht. Der verstärkte Blick auf Unterlagen nichtstaatlicher Herkunft passt vordergründig vielleicht nicht in die Zeit der Verwaltungsreform und der Konzentration auf Pflichtaufgaben. Gleichwohl fordert die Pflicht, hier gegen den Strich zu denken. Die gesellschaftlichen Veränderungen verlangen heute eine intensivierte Beschäftigung mit nichtstaatlicher Überlieferung. Dafür muss sich das Archiv rüsten. Wenn der Staat sich nämlich verschlankt, sich zurückzieht, muss sich - antizyklisch - das Stadtarchiv verstärkt um Überlieferungen aus dem nichtstaatlichen Bereich kümmern. Wenn es dies nicht tut, werden irreversible Überlieferungslücken entstehen. Das ist zwar keine neue Aufgabe, aber eine Aufgabenwahrnehmung in neuer Qualität. Die Gesellschaft erwartet diese Qualität auch.

Übernehmen und Bewerten von Unterlagen unterschiedlicher Herkunft

Die Anzahl Ablieferungen von Akten aus der Verwaltung hat zwar zugenommen, sich jedoch mengenmässig stark reduziert. Die Zusammenstellung der Aktenablieferungen, Schenkungen und Deposita ergeben für das Berichtsjahr folgende Zahlen:

  Anzahl Laufmeter
  2000 2001 2000 2001
Verwaltung 31 36 19.0 8.2
Private 49 65 11.5 13.3
Total der Zugänge 80 101 30.5 22.5

Erwähnenswerte Zugänge sind insbesondere:

  • Nachlass Dieter Woessner (1906-2000), bekannt als sog. "Rosenvater"
  • Teile des Firmenarchivs der Schreinerei Günter
  • Teile der ehemaligen Spielkartenfabrik AGM Müller, Neuhausen


Sichern der archivwürdigen Unterlagen durch geeignetes Lagern, Konservieren und Restaurieren

Mit der Digitalisierung der Stadtratsprotokolle durch die Fa. Canon Schweiz sind weitere 10 Jahrgänge (1953-1962) verarbeitet worden. Das Projekt erlaubt den raschen papierlosen Zugang zu den einzelnen Protokollen, die durch einen ebenfalls elektronischen Index erschlossen sind und schont damit die Originale, die im Kulturgüterschutzraum aufbewahrt werden. Das Restaurierungsprogramm wurde wie schon im letzten Jahr reduziert fortgesetzt, es wurden nur noch zwei Bände der mittelalterlichen Stadtrechnungen in Stand gesetzt.

Erschliessen der übernommenen Unterlagen durch Findbücher und Register

Der Erschliessung der Archivbestände wurde im vergangenen Jahr besonderes Gewicht zugemessen, wie aus nachstehenden Tabellen hervorgeht:

Fertig bearbeitete und erschlossene Archivbestände, in Einheiten (Dossiers):

  2000 2001
Verwaltung 2332 5185
Private 2732 2785
Total 5064 7970

Erschlossene Verwaltungsakten
Bestand 2000 2001
Urkunden   17
Bürgerarchiv   1931
Verträge 418 408
Baupolizei 2 1
Bauverwaltung 1130 8
Fürsorge   221
Hochbau 5 7
Liegenschaften 18 7
Polizei 751 492
Tiefbau 8 14
Wohnungsbau   290
Verkehrsbetriebe VBSH   400
Buchthalen Gemeindearchiv   1848
Total 2332 5185

Erschlossene Privatakten und Sammlungen
Bestand 2000 2001
Jahres- und Geschäftsberichte 1 13
Personalia, Nachlässe, Häuser, Chroniken 61 8
Vereine, Verbände, Zünfte, Parteien 71 78
Privatarchive Deposita   274
Vereine Deposita 241  
Zeitungen und Zeitschriften 1677 69
Fotoalben 3  
Heck, Ewald Fotonachlass   48
Lanz, Heini (Fotograf)   2295
Sammlung Einzelbilder 678  
Total 2732 2785

 

Wesentliche Arbeiten im Bildarchiv:

- Fotoarchiv H. Lanz (J 12): 905 Kleinbildfilme und 905 Blattkopien wurden in der Archivdatenbank erfasst.
- Fotonachlass E. Heck: 4200 Dias, Aufnahme in Archivdatenbank

 

Informationsvermittlung

Neben der traditionellen Benutzerberatung im Lesesaal hat sich das Stadtarchiv mit der verbesserten Internetpräsenz auseinandergesetzt. Die Messung der Benutzerzahlen im Internet wurde Mitte Jahr eingerichtet und gibt deshalb nur über die zweite Jahreshälfte Auskunft. Die Auswertung auf dem Internetserver ergab, dass von Juli bis Dezember insgesamt mehr als 15'000 Mal unsere Homepage aufgerufen wurde. Rund 115'000 Seiten wurden insgesamt betrachtet. Pro Tag waren dies im Durchschnitt etwa 80 Besuche mit rund 600 Seitenansichten. Jeder Benutzer hat also im Schnitt 7 bis 8 Seiten aufgerufen. Die durchschnittliche Verweildauer einer Sitzung betrug ziemlich genau 10 Minuten. Diese Angaben bedeuten, dass das Stadtarchiv in einem halben Jahr etwa 2'500 Stunden zusätzliche Auskunft in alle Welt gegeben hat. Die häufigsten Suchbegriffe, über die unsere Webseiten gefunden wurden, waren: Schaffhausen, Geschichte, Genealogie, Familienforschung, Munot, Hexenprozesse, Familienwappen. Die häufigste Benutzergruppe scheint diejenige der Famlienforscher zu sein. Allein schon die Tatsache, dass das Verzeichnis der Kirchenbücher pro Monat etwa 150 Mal heruntergeladen wird, weist auf die starke Nachfrage dieser Benutzerkreise hin. Die Bereitstellung wichtiger Informationen im Internet hat neben einem gewissen Werbeeffekt den immensen Vorteil, dass zahlreiche Benutzer den Gang ins Archiv nicht mehr benötigen oder sich für den Besuch optimal vorbereiten können. Damit entfallen für das Personal zahlreiche Routineanfragen. Trotzdem ist die traditionelle Benutzung des Archivs durch Besuch, Telefon oder Schriftverkehr verhältnismässig hoch geblieben. Sie weist gegenüber dem Vorjahr nur unbedeutende Abweichungen auf. Dies hat insbesondere damit zu tun, dass die Arbeiten für die Kantonsgeschichte in diesem Jahr überwiegend beendet wurden.


Benutzung des Stadtarchivs im Überblick

Herkunft der Benutzer/innen 2000 2001
Andere Archive 2 8
Private Benutzer 1065 992
Firmen 22 7
Medien /Journalismus 24 25
Museen 20 6
Vereine 21 18
Verwaltung 226 180
  1380 1236
 
Art der Archivbenutzung 2000 2001
Archiv-Lesesaal 1015 789
Beratungen auswärts 9 8
Schriftliche Anfragen 73 93
Telefonische Anfragen 283 346
  1380 1236
 
Themen der Benutzung 2000 2001
Archivberatung / Ablieferung 125 86
Verwaltungsanfragen allgemein 94 90
Auskünfte allgemein 277 165
Lokalgeschichte 111 130
Kantonsgeschichte Schaffhausen 281 266
Bau- und Häusergeschichte 101 164
wissenschaftliche Publikationen 32 18
Dissertationen 24 16
Lizentiatsarbeiten 18 48
Seminararbeiten 8 4
Personengeschichte 59 65
Genealogie 107 78
Bildersammlung 112 81
Presse (Zeitungen) 15 18
Führungen 16 7
 Total 1380 1236

 

Öffentlichkeitsarbeit

Mit einer Schaufensterausstellung, konzipiert von Hans Bölsterli, zum Thema "Hundert Jahre Verkehrsbetriebe", konnte das Stadtarchiv wiederum ein wirksames Mittel einsetzen, um die Passanten auf den Zweck eines Archivs aufmerksam zu machen. Neben zahlreichen Führungen und Publikationen des Stadtarchivars und seines Stellvertreters ist insbesondere der Südwestdeutsche Archivtag zu erwähnen, der vom 25. bis 27. Mai in unserer Stadt abgehalten wurde. An diesen Fachtagungen nehmen neben den baden-württembergischen und bayerischen Archivaren und Archivarinnen regelmässig auch Kollegen und Kolleginnen aus den angrenzenden Staaten Frankreich, Österreich und der Schweiz teil. Auf den länderübergreifenden Austausch von Wissen wird dabei sehr viel Wert gelegt. So wurde denn auch laut Protokoll "mit Schaffhausen ein Ort ausgewählt, der höchst symbolhaft für die angestrebte Grenzüberschreitung stehen kann". Mit dem Arbeitstitel "Zwischen Anspruch und Wirklichkeit - das Dienstleistungsunternehmen Archiv auf dem Prüfstand der Benutzerorientierung" stand zudem ein Thema im Vordergrund, das für das Stadtarchiv sehr aktuell ist und sehr viel neue Ideen einbrachte.    


 

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